Donnerstag, 17. September 2015

Greifenstein Bike-Marathon





13.09.2015

Am Sonntagmorgen rolle ich halb sieben aus dem Bett. Und das noch bevor der Wecker klingelt, was ich als gutes Zeichen deute, da ich eigentlich schon die ganze Woche ein ausgewachsenes Schlafdefizit vor mir herschiebe. Auch die schmerzhafte Nackenverspannung, die mich schon seit einigen Tagen plagt, ist etwas abgeklungen – was wohl an der Wärmesalbe liegt die ich da gestern Abend aufgespachtelt habe. Hat sich also gelohnt, schon kurz nach dem Sandmännchen unter die Bettdecke zu kriechen und an der Matratze zu horchen, denn ich fühle mich heute relativ fit, was in meinem greisen Alter keine Selbstverständlichkeit mehr ist! So eine volle Mütze Schlaf ist halt durch nichts zu ersetzen.

Fürs gesamte Wochenende ist Spätsommer angekündigt, und tatsächlich, bereits um sieben in der Früh zeigt das Thermometer freundliche 17°C, der Himmel ist blau und die Sonne lunzt über den Horizont. Ich liebe solche Spätsommertage! Gemütlich ein paar Tassen Café schlürfen und eine Folge Columbo später - geht’s dann auf die dreiviertelstündige Reise nach Geyer. Auf beinahe Autofreien Straßen sind wir pünktlich, den Start des 90km Rennens verpassen wir trotzdem um eine Minute. Anne hat auch frei und übernimmt heute die Verbottelung, und als Krankenschwester natürlich auch die medizinische Betreuung, falls der Straßenfahrer einen ungeplanten Abstecher ins Unterholz machen sollte. Sicher ist sicher, in Geyer hat sich immerhin schon Westsachsens prominentester Mountainbiker den Nischel an einem Holzstapel eingerammelt!

Gemeldet bin ich diesmal fürs 60km Rennen, also die Mittelstrecke. Das passt einerseits ganz gut in den derzeitigen Rennkalender, andererseits kann ich es so mal ganz gemütlich angehen, da der Startschuss über 2 Runden erst halb elf erfolgt. Außerdem sollte man sich mit Ü40 auch nicht mehr unnötig abhetzen. Bei der Startnummernausgabe treffe ich Vereinskollege Guido – den Peter Frankenfeld der westsächsischen MTB-Szene – der auch für die Mittelstrecke meldet und heute ebenfalls von Anne betreut wird. Im Bedarfsfall natürlich auch medizinisch, man weiß ja nie! Immerhin zählen wir zusammen schon stattliche 82 Lenze.

Zum Einrollern nehme ich mehrfach die Straßenauffahrt hinterm Ana Mare unter die Reifen, lasse mir von Anne über die Schulter spucken, stelle noch eine Stange Wasser in die Ecke und trudele kurz vor knapp am Startbogen ein, der vom Wind bedrohlich nach hinten geneigt wird und dann beinahe die zweite Startreihe unter sich begräbt. Vorne rechts ist noch ein Plätzchen frei, doch werde ich harsch vom Unparteiischen zurückgepfiffen als ich da rückwärts einparken will, denn ich solle den Startbogen umrunden - um von hinten in die Startaufstellung zu gelangen. Ich hole tief Luft, ….umrunde den Startbogen dann aber doch wortlos, denn Ober sticht nun mal Unter!

Halb elf führt Andreas Fischer das Starterfeld auf seinem Quad in die Einführungsrunde. In Schleichfahrt geht’s hinunter nach Geyer, wo „der Sportmacher“ einige Kunststücke aus Evel Knievel `s Trickkiste zum Besten gibt und dabei gar keine schlechte Figur macht. Noch bevor der Applaus verhallt mündet der Weg in einen Steilanstieg, wo das Rennen dann auch plötzlich freigegeben wird und ich mir beinahe den angeschlagenen Nacken verrenke, als ich die folgenden Höhenmeter taxiere. Patrick „Patte“ Oettel steht als erster in den Pedalen und gast wie angestochen die steile Gasse hinauf. Aua. Folgen will Ihm hier nur Torsten „Mütze“ Mützlitz, und auch der Straßenfahrer kann sich gerade so in Mütze`s Hinterrad verbeißen. Zu dritt holpern wir über die sich anschließende Wiese, hinüber zum Ana Mare und in die folgende Straßenauffahrt, wo Patte noch immer voll am Gashahn zerrt. Mütze hat den Kanal voll und nimmt leicht raus, ich schließe zu Patte auf. Wer hinter mir um Anschluss kämpft kann ich nicht sagen, denn zum Umschauen bleibt mir keine Zeit, da Patte im Vollgasmodus in die folgenden, ruppigen Downhill’s sticht. Sein Hinterrad kann ich trotzdem ganz gut halten, auch wenn er es hier ganz ordentlich laufen lässt. Unten angekommen findet das Spektakel dann aber sein jähes Ende, denn die Luft ist raus – aus Pattes Reifen. Schade, hätte mich nämlich schon interessiert wie lange das Feuerwerk noch gebrannt hätte.

So geht es leider ohne Patte in den folgenden Anstieg und hier ist dann auch erstmals Gelegenheit nach den Überlebenden Ausschau zu halten. Guido und Mütze sind irgendwie abhandengekommen, dafür ist Christian Groß und ein mir bislang unbekannter Fahrer anwesend, der auch gleich in die Führung geht und ein erträgliches Tempo anschlägt. Christian sieht hier auch noch keinen Handlungsbedarf sich an der Tempoarbeit zu beteiligen, also lassen wir den Jungen Wilden erst mal gewähren, damit er sich von seinen überzähligen Kraftreserven befreien kann. Die neuen Trails in Richtung Schanze und auch der folgende Downhill bleiben hoffentlich für die nächsten Austragungen erhalten, denn die sind eine wirkliche Bereicherung für den ersten Teil der Strecke. Der Steilanstieg ist heute flacher wie ich Ihn in Erinnerung hatte und wird von uns zügig erklommen. An der Verbottelung hinterm Ana Mare greift Christian dann leider an seiner Bottel vorbei, muss stoppen um nachzufassen, aber ich kann den Unbekannten Fahrer davon überzeugen auf den Stormbiker zu warten, denn auf den Drückerpassagen des zweiten Rundenteils werden wir noch jedes vorhandene Watt benötigen.

Christian schließt also wieder auf, und von hinten kann ich jetzt auch Guido und Mütze ausmachen, die sich sukzessive an unsere Gruppe herankämpfen und wenig später auch aufschließen. Auf dem zweiten Rundenteil geht dann jeder mal durch die Führung und interessant wird es erst wieder anfangs der zweiten Runde, wo Guidos Diesel die Betriebstemperatur erreicht und er die Pace merklich erhöht. Den folgenden langen Anstieg zur den Greifensteinen fahre ich von vorne, Christian und der Unbekannte koppeln erst mal ab, da waren wir nur noch zu dritt. Guidos Diesel - der den Großteil der Saison in der Werkstatt verbrachte - läuft jetzt ganz solide, und so nutzt er den neuen Streckenabschnitt - hinunter zum Schanzengelände - um nochmal die Downhillperformance des Straßenfahrers zu testen, der heute aber irgendwie nicht abzuschütteln ist. Auch die Steilauffahrt bringt keine Veränderung, wo uns Patte anfeuert, der das Rennen nach Defekt aufgegeben hat.

Am Ana Mare werden wir von unserer Krankenschwester nochmal verbottelt, dann geht’s wieder hinüber zum zweiten Rundenteil mit den Schlammlöchern, der Schotterpassage und dem Wurzelteppich, wo im wesentlichen Guido und der Straßenfahrer im Wind stehen. Mütze sieht schon etwas abgekämpft aus, und langsam mache ich mir Gedanken wo ich eine entscheidende Attacke setze sollte, als sich plötzlich Guidos Hinterreifen mit einem lautstarken Blow-out vom Luftdruck befreit. Plattfuß! Zum Abschied wünscht er uns noch allzeit gute Fahrt, koppelt ab, und ich stehe mit Mütze plötzlich allein im Wind. Bis zum Ziel sind noch gute 15 Kilometer zu drücken, aber wie schon gesagt, Mütze wirkt nicht mehr wirklich munter, und viel Windschatten ist von Ihm auf den folgenden Drückerstücken auch nicht zu erwarten. Also rucke ich kurz an, koppele Mütze ab und starte im Zeitfahrmodus in die übrigen 15 Kilometer. 

Fünf Kilometer vorm Ziel lässt sich das Führungsmotorad zurückfallen, schließt wieder auf und gibt mir einen 4 Minütigen Vorsprung auf meine direkten Verfolger bekannt. Ich habe noch immer guten Druck auf dem Pedal und wiege mich schon beinahe in Sicherheit, als mir plötzlich die Kette vom Blatt springt und sich in der Kurbel verklemmt. Im Rollen kriege ich das nicht wieder flott und muss vom Bike. Cheiße, jetzt bloß nicht noch die Kette beschädigen, die sich wirklich hartnäckig zwischen Kurbelarm und Kettenblatt verklemmt hat. Irgendwie bekomme ich sie dann aber frei, und schließe wieder zum Führungsmotorad auf, das an der nächsten Abzweigung schon ungeduldig auf mich wartet. Sehr viel Zeit verliere ich hier nicht, trotzdem ziehe ich nochmal ordentlich am Hahn, um den Sack endgültig zuzumachen.


 
Nach 2:34:23 Std. ist es dann geschafft, der Straßenfahrer überquert die Ziellinie als Sieger des Mittelstreckenrennens über 60km. Mütze bricht auf den letzten Kilometern gänzlich ein, und wird noch von Christian Groß und dem Unbekannten kassiert. Christian Groß wird Zweiter mit 2:38:36 Std. und Dritter wird Stefan Przisambor mit 2:38:38 Std., der mir bis dato unbekannt war - aber heute ein ganz solides Rennen geliefert hat. Mütze wird mit wenig Rückstand Vierter und Guido holpert mit 2(!)Platten und auf der Felge fahrend immerhin noch als Siebzehnter ins Ziel. Wirklich schade, denn ohne seinen Reifenschaden hätte es bestimmt noch einen lustigen Showdown gegeben!

Mal sehn was Samstag in Eibenstock passiert. Ich bin gespannt….

Bleibt gesund und bis die Tage.

Euer Straßenfahrer


Alles weitere zum Rennen und den Ergebnissen guckst Du hier:





Montag, 14. September 2015

Bergzeitfahren Markersbach




06.09.2015


Da veranstaltet der Radsportverein Aue tatsächlich ein Straßen-Bergzeitfahren in Markersbach, und der Straßenfahrer stand mal wieder voll auf der Leitung und verpasste die beiden ersten Austragungen der Vorjahre. Echt schade, denn beim Kampf gegen die Uhr habe ich schon damals im Kindergarten, beim um die Wette essen, ganz vorne mitgemischt und stand beim Nachschlag immer als erster an der Essenausgabe. Nur bei Leber oder sauren Flecken musste ich die Segel streichen, da stand dann immer ein anderer Held auf dem Podest und für mich gab´s einen Eintrag ins Hausaufgabenheft: “Lars verweigerte wiederholt die sozialistische Schulspeisung“! … Als Trost gab’s auf dem Heimweg meist eine Tafel Bambina und eine Flasche frische Milch aus dem Konsum, die sich damals auch noch so nennen durfte, im Gegensatz zum homogenisierten Wasser aus dem Tetrapack, das heute im Supermarkt für 55cent der Liter verscherbelt wird. Sollte man mal drüber nachdenken… also die Sache mit der Milch! Aber zurück zur Sache: Die 5,1km lange Strecke, vom Unter- hinauf zum Oberbecken des Pumpspeicherwerkes, hat im Schnitt 5,7% Steigung zu bieten, die man aber nicht unterschätzen sollte, denn das wellige Profil - mit den beiden längeren Flachstücken - hat es ganz schön in sich, da die kraftraubenden Tempowechsel immer wieder den Rhythmus brechen und einige Passagen bis zu 9% Steigung aufweisen.

Der letzte Zeitfahrtest aus der Vorwoche sah jedenfalls vielversprechend aus, aber um den Streckenrekord von Robert (Watt) Walter aus dem Vorjahr zu toppen (13:31min)  braucht es auch eine NP deutlich über 430W! Jedenfalls wenn man so schwere Knochen hat wie der Zweimeterfünfzig große Straßenfahrer. Gestartet wurde erst ab 12Uhr Mittags, so konnte ich mal wieder richtig Ausschlafen und bei einer Folge Columbo gemütlich Café schlürfen. Draußen sah es herbstlich aus, das Thermometer dümpelte noch im einstelligen Bereich herum und ab Mittag war mit Regen zur rechnen. Mal echt ein Kontrastprogramm nach der Hitzewelle der vergangenen Wochen, aber kein Wetter um wirklich motiviert ins Gebirge zu starten. Die Neugier hat dann aber doch überwogen, denn ich war gespannt ob ich an Roberts Rekordzeit aus dem Vorjahr herankomme, bzw. vielleicht noch eine Schippe drauflegen kann.

Die Startunterlagen gab’s in der Hundsmarderschänke am Oberbeckenparkplatz, und so konnte ich dann gleich noch den mir bisher unbekannten, oberen Teil der Straßenauffahrt besichtigen, den ich bisher noch nicht unter die Reifen genommen hatte.  Wie gesagt, das wellige Profil macht diese Strecke wirklich anspruchsvoll, und schon bei der Besichtigung gingen mir immer wieder die 3 wichtigsten Regeln eines erfolgreichen Zeitfahrens durch den Kopf, die da lauten: 1. Nicht zu schnell Starten, 2. Nicht zu schnell Starten, und 3. Starte nicht zu schnell!

Das Warmfahren absolvierte ich heute in voller Regenmontur, denn auch eine halbe Stunde vor Start - der bei mir 12.10 Uhr erfolgte - dümpelten die Temperaturen noch immer im einstelligen Bereich und dazu hatte es sich auch noch eingeregnet. Mit reichlich Wärmeöl und dick eingepackt kam ich dann aber doch noch rechtzeitig auf Betriebstemperatur, sprang eine Minute vor Start aus der Pelle, schüttelte noch schnell die Ganterhaut vom Rücken, dann ging`s auch schon auf die Reise. Natürlich kurz/kurz, aber nach einer Minute im TT Modus war von den einstelligen Temperaturen eh nichts mehr zu spüren. Ich merkte recht schnell das die Beine heute wollten, und auch der Blick auf die Werte des Powermeters bestätigten mein gutes Gefühl. Trotzdem hieß es nicht zu überziehen, und den vorher angepeilten NP Wert im Auge zu behalten, auch wenn ich nach einem Kilometer noch (oder schon) deutlich drüber lag. Übrigens taten die beiden Flachstücke aus meiner Sicht mehr weh wie die Anstiege selbst, denn hier hieß es kraftvoll zu beschleunigen, um die Leistung konstant hoch zu halten. War nicht leicht heute, denn teilweise blies einem recht viel Gegenwind ins Gesicht. Richtig Sorgen machte ich mir dann allerdings nach dem zweiten Flachstück, bzw. eingangs der letzten Steigung bei Kilometer 4, denn meine NP war immer noch deutlich über dem angepeilten und vorher trainierten max. Wert dieser Distanz, und auch die Beine machten so langsam dicht. Dran bleiben hieß es, um den letzten Kilometer kontrolliert über die Bühne zu bringen, auch wenn es jetzt schon sehr, sehr weh tat. Die letzten 300 Meter ging ich dann trotzdem noch „all out“, und tatsächlich überquerte ich die Ziellinie auf der letzten Rille, mit einer NP „best ever“ über diese Distanz und am maximalen Endanschlag meines derzeitigen Trainingszustandes. Mehr ging heute definitiv nicht!

Die Fahrzeit von 13:37 reichte heute zwar für den Tagessieg, den Streckenrekord von Robert verfehlte ich aber leider um 6 Sekunden. Neues Jahr neues Glück, dann hoffentlich bei etwas wärmeren Bedingungen.

Bleibt gesund und bis die Tage.

Euer Straßenfahrer


Alles weitere zum Rennen und den Ergebnissen guckst Du hier:  http://www.rsv-aue.de/



Dienstag, 18. August 2015

Vier-Hübel-Tour



16.08.2015


Am Sonntagmorgen klingelt der Wecker pünktlich um 6Uhr. Geschlafen habe ich eigentlich ganz gut, trotzdem bin ich noch hundemüde und vergrabe mich wieder im Kopfkissen. Draußen regnet es, aber nach der Hitzewelle der letzten Wochen ist das ja beinahe ein Segen. Eigentlich ist`s mir wie Ausschlafen heute, irgendwie schaffe ich es dann aber doch aus der Säsche und krieche zum Fenster. Immerhin, 20°C zeigt das Thermometer und der Blick in die Berge ist vielversprechend, denn da kämpft sich gerade die Sonne durch den Nebel. Also gut, überredet, heute ist schließlich Vier-Hübel-Tour, und nach meiner krankheitsbedingten Absage im letzten Jahr, konnte ich nicht schon wieder mit Abwesenheit glänzen.

Nach ca. 5 Tassen Café, einer Schüssel frischer Haferflocken und einem kurzen Verdauungsschlaf, machte sich beim alten Mann so etwas wie Reisebereitschaft bemerkbar. Die Strecke zum Col de Fichtel war natürlich hinreichend bekannt, die Umleitung in Schwarzenberg kannte ich leider nicht, und so gab’s die Vorbelastung bei der etwas längeren Umfahrung über Breitenbrunn. Natürlich mit dem Auto, i’s klar! Unsere Startunterlagen hatte Teamkollege Dr.O noch pünktlich vor der 9Uhr Regel abgeholt, und so kam ich dann zwar spät, aber relativ stressfrei in Oberwiesenthal an und bekam sogar noch einen Parkplatz im Startbereich. Die heutige Verbottelung übernahm dass STEINsche Headquarter himself, in Persona Udolf Stein und Markus „Raben…Dingsbums“ Legner, unterstützt von Frau Doktor und des Straßenfahrers besserer Hälfte – die uns an den Hübeln frische Getränke anreichten.

Als ich mit Dr.O vom Warmrollern kam war die Startaufstellung eigentlich schon gelaufen, aber mit etwas guten Willen zwängten wir uns dann doch noch in Reihe zwei, direkt hinter unsere Teamkollegen und die potenziellen Potenzialkandidaten des Tages. Die Extrawurst musste natürlich Vereinskollege Guido braten, denn „der Peter Frankenfeld der Westerzgebirgischen MTB-Szene“ wollte heute wohl nicht mit uns im Startblock kuscheln und stand in einer seitlichen Zufahrt, 10 Meter neben der eigentlichen Startlinie.  Er war wohl auch etwas spät dran und schaffte es mit seinen 1,50m vermutlich nicht über den Absperrzaun. Irgendwie fand sich wohl auch keiner der den Bergkönig aus dem Auenland da drüber hob, und so musste er wohl notgedrungen aus der Boxengasse starten. Nachdem der Moderator den richtigen Einstieg bzw. endlich die richtige Uhrzeit für den Countdown gefunden hatte und die Uhr auf 10 sprang, ging sie endlich los, die 19. Hübelhatz zum Col de Fichtel. Hinauf zur Vierenstraße wurde noch getrödelt, im Anstieg etwas angezogen und oben bereits durchgezogen. Benjamin Michael, der Mann mit den beiden Vornamen, attackierte bereits nach 5 Minuten derart, dass man glauben konnte er fährt hier nur Training und heute keinesfalls zu Ende. So war es natürlich auch, denn Benny wollte nur bis zum Pöhlberg mit – wie er mir verriet – da er abends noch nach Liberec fuhr, wo in KW34 die MTBO-WM ausgetragen wird und wofür wir Ihm natürlich die Daumen drücken! So ließen wir Ihn sein Spiel spielen und setzten seinen Attacken auch nicht wirklich nach.

Hin zum ersten Hübel, dem Bärenstein, gab es – bis auf einen Verfahrer bei dem sich Rico Leistner selbst abkoppelte  – eigentlich keine nennenswerten Aktionen, das Wetter war noch ganz freundlich und da das Tempo auch noch ziemlich moderat war, genügend Zeit für den ein oder anderen Plausch mit den Bekannten. Entzerrt wurde das Feld dann erst bei der Auffahrt zum Bärenstein, bzw. in der folgenden Abfahrt. Unten angekommen waren hier noch dabei: Benny – auf den wir wieder auffuhren, Dr.O, Guido, David Seidel, Trainingspartner Ronny Schmidt – der hier ebenfalls nochmal den Anschluss schaffte, die Teamkollegen: Liebl, Lassek, KaiRo, Meyer, Peschke und wenn ich das richtig sah, Lars Brödner, Marc Huster, Toni Escher, und ein mir unbekannten Fahrer. Auf dem folgenden Teilstück zum Pöhlberg ging´s dann schon bissl schneller zur Sache, die eigentliche Spitzengruppe bildete sich aber erst im Anstieg zum 2. Hübel. David ließ hier wie besprochen das Gas stehen und verkleinerte die Gruppe auf übersichtliche 6 Mann. Benny verabschiedete sich oben wie geplant, wir gasten den Pöhlberg mit 80 Sachen wieder hinunter und weiter ging’s  zum Scheibenberg. Schon aus der Ferne konnte man erkennen was da auf uns zukommt, denn der 3. Hübel war in dicke Regenwolken gehüllt.

Es würde nass werden, so viel stand fest! Guido machte in dieser Phase die Pace, nachdem er kurz zuvor von einem verwirrten Radfahrer – der kurz vor Ihm den Waldweg kreuzte und plötzlich quer zog – um ein Haar vom Bike geholt wurde und jetzt natürlich hell wach war. Da hatten wirklich nur Millimeter gefehlt und ich sah Ihn eigentlich schon in der Notaufnahme des nächsten Kreiskrankenhauses, aber Guidos Schutzengel hatte heute Mitleid, denn er hatte in letzter Zeit ja schon genügend Blessuren auszukurieren. Seinem Diesel tat der Adrenalinschock jedenfalls gut, denn der drehte jetzt ganz solide und so machten wir hier auch ganz ordentlich Meter, obwohl es sich schon recht stark eingeregnet hatte und die Straßen und Wege sehr schmierig wurden. So verbremste sich dann einer der beiden noch anwesenden, unbekannten Mitstreiter hinter mir, (ich vermute es war Jonas Hummel) hängte sich an meinem Hinterrad auf, und ging lautstark zu Boden. Viel schien hier aber nicht passiert zu sein, ich kam auch heile davon und auch mein Hinterrad hatte es wohl ohne Schaden überlebt. Den Anschluss an unsere Gruppe schaffte er jedenfalls nicht mehr, da waren wir nur noch zu fünft. Guido, Dr.O, David, der zweite große Unbekannte – der plötzlich da war aber den keiner kannte, und eben meine Wenigkeit der Straßenfahrer.

Am Scheibenberg angekommen waren wir dann schon ganz ordentlich durchgeweicht, der Regen ließ aber zum Glück etwas nach, und der Anstieg wurde ruhig aber zügig absolviert. Auch der große Unbekannte überlebte den 3. Hübel und sofern ich mir die Startnummer richtig gemerkt habe müsste das Leo Wurster gewesen sein, der bis nach Markersbach ganz ordentlich mithielt, auch wenn er sich nicht an der Führungsarbeit beteiligte. Ich hatte heute ganz gute Beine und fuhr die Rampe zum Oberbecken von vorne, wobei wir dann auch den großen Unbekannten abkoppelten. Zu viert ging`s also in die Oberbeckenrunde, wo jeder nochmal durch die Führung ging, dann bogen wir in die von mir so heiß geliebte Abfahrt zum Ephraimhaus ein. Trotz der widrigen Wetterbedingungen kam ich da aber heute ganz gut runter, und verlor keinen Meter auf unsere Gruppe. Ich sag doch: aus dem Straßenfahrer wird noch mal ein richtiger Mountainbiker. Man muss es sich nur oft genug einreden!

Frisch verbottelt ging`s jetzt in den finalen Scharfrichter, den langen Anstieg zum Col de Fichtel. Das Tempo gestalteten hier im wesentlich David und ich, Guido und Dr.O gingen aber alle Tempowechsel gut mit, wenngleich beide schon ziemlich ausgepowert wirkten und wohl auch waren. Am Abzweig zum neuen Streckenteil waren wir noch immer beisammen, denn irgendwie hatte noch keiner die Muße für eine entscheidende Attacke. Ich kannte die neue Streckenführung noch nicht und vertraute auf meine Sprintstärke im Finale, da ich noch einige „Körner“ in Reserve hatte. Als wir den Col halb umrundet hatten und in die Steigung zu den finalen Serpentinen hineinfuhren, gab es für David noch einige Schrecksekunden, denn Ihm fiel die Kette vom Blatt und verwickelte sich in seiner Kurbel, was Ihn schließlich auch vom Bike bzw. zum Reparaturstopp zwang. Diese Gelegenheit nutzten wir drei natürlich eiskalt für eine sportlich-faire und freundschaftliche Geste und warteten bis David sein Bike wieder flott hatte und zu uns aufschloss, denn das hatte er sich mit seinem Anteil an der heutigen Führungsarbeit redlich verdient!

David rollte also wieder zu uns auf, die Kletterpartie ging in die letzten Meter und ich weiß nicht mehr genau wer die Idee dann aussprach, aber irgendwie gab es heute sowas wie einen Teamgedanken unter uns, und die Frage:  „ob David und ich die Sache ausfahren wollten“, oder „wir als Gruppe die Ziellinie überqueren“ – da wir bis hierhin ja auch wirklich gut miteinander harmonierten. Wir waren uns schnell einig heute nicht mehr zu attackieren und genossen die letzten Höhenmeter unter dem Beifall der vielen Zuschauer. Die neue Streckenführung auf der Südseite des Col de Fichtel fand ich wirklich sehr schön, und vielleicht gibt es ja hier im nächsten Jahr einen Showdown bei Sonnenschein, an dem ich wieder beteiligt sein darf, und bei dem wir dann das Messer zwischen die Zähne nehmen und die Sache ausfahren. Heute überquerten wir die Ziellinie jedenfalls auf Augenhöhe, und ich war schon verwundet dass die Tour-Organisation mit unserem Gruppensieg etwas ins Schleudern kam, denn es musste unbedingt ein einzelner Bergkönig gekürt werden, wo man sich dann spontan für David entschied, was uns doch etwas verwunderte, da wir ja quasi Hand in Hand die Ziellinie überquerten.

Wie auch immer, wir Vier hatten unseren Spaß heute, und nur das zählt!


Bleibt gesund und bis die Tage.

Euer Straßenfahrer

Lars Strehle            Sebastian Ortmann            Guido Aßmann            David Seidel
 
Alles weitere zur Tour und den Ergebnissen guckst Du hier: