Dienstag, 19. Juli 2016

Kamm-Bike-Cross



17.07.2016

Sechs Uhr klingelt der Wecker. Draußen ist`s noch dunkel, oder bewölkt, oder beides. Keine Ahnung, die Äuglein wollen einfach nicht richtig aufgehen. Kalt ist es auch, also ziehe ich nochmal die Bettdecke über den Schädel und genehmige mir eine halbstündige Verlängerung, die mein Befinden aber nicht wirklich verbessert. Das halbe Glas Sekt und die beiden alkoholfreien Biere, die ich mir bei der Feierlichkeit am Vorabend hinter die Binde goss, haben dem Straßenfahrer offensichtlich zugesetzt. Mit Mühe klettere ich aus den Federn, immerhin gibt es auch Verpflichtungen jenseits der Rennstrecke. Die große Raubtierfütterung, Latrinendienst am Katzenklo und der Müll muss auch noch raus. Fräulein Hanni ist schon in Spiellaune, Friedo Mütze möchte Streicheleinheiten und der Geschirrspüler leert sich leider auch nicht von selbst. Naja…typische Männerarbeiten eben.

Irgendwann flegelt der Straßenfahrer aber doch noch auf der Ottomahne und mümmelt seinem Haferkrimskrams mit dem Schnickschnacktopping. Die App mit dem Wetterradar zeigt ein flächiges Regengebiet, das vom Norden her aufzieht. Na klasse, den Start der zweiten Saisonhälfte hatte ich mir etwas freundlicher vorgestellt. Mir vergeht der Appetit! Drei Mal aktualisiere ich die Seite, dann ist ein Irrtum ausgeschlossen. Heute wird es nass, sehr nass! Schöne Cheiße! Vielleicht hält es bis Mittag aus - denke ich in guter Hoffnung - da klopfen auch schon die ersten Regentropfen an die Fensterscheiben. Otto-Normal trinkt an so einem Sonntagmorgen ein Konterbier und haut die Wampe bis zur Tour de France Übertragung auf die Couch. Für die gestandenen Mountainbiker fängt der Spaß bei solchen Bedingungen natürlich erst so richtig an. Dem Straßenfahrer stehen jedenfalls die Haare zu Berge, denn Schlammrennen gehören eindeutig nicht zu dessen Kernkompetenzen! Immerhin, fünf starke Café braucht der alte Mann, um die Option mit dem Konterbier zu verwerfen und sich halbwegs für die anstehende Schlammschlacht zu motivieren.

Etwas wiederwillig befülle ich die Bottels mit Iso-Getränk und verteile großzügig Wärmesalbe auf Rücken und den langen Gräten. Nach all der Hausarbeit und ca. einem Liter Café, liege ich dann endlich ein paar Schläge über Ruhepuls, bin auf Betriebstemperatur und kann wieder aufrecht stehen.  Auch Anne hat Ihre sieben Sachen gepackt, denn Sie übernimmt die Verbottelung für unser Team, da sich heute auch Paul und Marlene angekündigt haben. Johanngeorgenstadt erreichen wir kurz vor neun, und ergattern noch einen der begehrten Parkplätze hinterm Loipenhaus. Ein kleiner Lichtblick, denn es ist trocken und Regenwolken kann man noch nicht ausmachen. Dafür ist’s am Kamm ein paar empfindliche Grad kälter wie @home in C1D. Egal, Hauptsache es bleibt noch etwas trocken. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ich trenne mich also von der kuscheligen Sitzheizung und hole die Startunterlagen, wo mir Rico Leistner vor die Füße läuft, der gerade für die Kurzstrecke eingecheckt hat, und mit dem ich mich dann ein paar Minuten verquatsche. Vorm Festzelt wird’s indes immer dunkler, und uns schwant schon nichts Gutes. Dann wird’s ungemütlich, denn die Regenfront erreicht auch den Erzgebirgskamm. Ein kurzer Schauer ist das freilich nicht, soviel ist mal klar. Vorgemeldet bin ich zwar für die Mittelstrecke, aber unter diesen Bedingungen………    Der Weichkäse meldet also für die Kurzstrecke, und macht es sich nochmal im kuscheligen Bus bequem bis das Gröbste vorübergezogen ist.

Während einer kurzen Regenpause mache ich mich startklar und will gerade ins Aufwärmprogramm starten, da geht’s schon wieder los. No way, heute muss es mal aus der Kalten gehen, denn die Rolle habe ich nicht dabei. Unterschlupf finde ich im Zielpavillon und mümmle erst mal einen Energieriegel. Wenn schon nicht aufgewärmt, dann wenigstens nicht hungrig am Start stehen. Zeitnah rolle ich zum Platz des Bergmanns, wo sich gerade die „Einführungsrunde“ zur Startaufstellung trifft. Ich parke rechts neben Immanuel „FKJ“ Stark ein, und bin, genauso wie alle anderen Anwesenden, etwas über dessen Hinterradbereifung überrascht, um nicht zu sagen erheitert. Wo im Normalfall und unter diesen Wetterbedingungen Stollen zu finden sein sollten, da ist der Reifen so glatt wie ein Babypopo. Nein, kein Semislick, es sieht beinahe so aus als hätte FKJ einen Rollenreifen auf der Felge. Keine Rille, keine Noppe, komplette Glatze! Die Meute hat reichlich Gesprächsstoff….

 
Gute Nachrichten gibt es auch, denn aus erster Hand erfahre ich, dass FK, nach überstandener Wirbelsäulen OP schon wieder im Sattel saß und sein gesegneter Bratwurstappetit wäre wohl auch noch vorhanden. Es scheint also weiterhin aufwärts zu gehen beim Übermensch. Daumen hoch Sebastian!!!

Pünktlich halb elf geht es dann auf die Reise und relativ gesittet den Straßenanstieg zum Butterweg hinauf. Nach den anfänglichen Positionskämpfen macht erst mal Tretungeheuer Markus Thiel die Pace. Ich erwische sein Hinterrad, halte mich an dessen Sattelstütze fest und lasse mich, bis kurz vorm Kamm, von Ihm den Butterweg hinaufschleppen. Hat er gar nicht gemerkt, bei seinem Kraftüberschuss! Hihi. So ausgeruht kann ich dann auch Felix Fritschs Tempoverschärfung, die er kurz vor der Kuppe ansetzt, parieren, und rolle hinter Jan Brettschneider, der sich kurzzeitig etwas abgesetzt hat, in die Abfahrt zurück zum Zielgelände auf die Schwefelwiese. 

 
Positionskämpfe gibt es auch nochmal vorm ersten Trail, den ich hinter Jan und Felix hinunterrutsche. Schlammig ist es, und so schmiert Felix vor mir beinahe ab. Aber der kann ja zum Glück Radfahren und so muss ich nicht vom Bock. Es bildet sich im folgenden Anstieg eine größere Spitzengruppe, die geordnet auch den zweiten Wurzeltrail durchrollt. Dann geht’s in den langen Anstieg, den Kamm wieder hinauf, wo nicht mehr gekleckert - sondern geklotzt wird. Viele Möglichkeiten gibt es auf der Runde nicht um seine Widersacher zu distanzieren, also ziehe ich hier ordentlich am Horn. Felix in der linken, der Straßenfahrer in der rechten Spur. Hinter uns Survival of the fittest.

Am Kamm versuche ich mich nach vorne abzusetzen, aber Jan, der 2 Rundem fährt, lässt mich nicht gewähren, da er sich wohl nicht sicher ist, für wie viele Runden der Straßenfahrer gemeldet hat. Naja, hab halt vergessen Ihm den nötigen Wink zu geben, immerhin stand ich ja auf der Liste der Vorgemeldeten Mittelstreckler. Jan und Felix biegen vor mir in den folgenden Trail ein. Direkt hinter mir kann ich hier noch FKJ, Mirko Gräßler und Stefan Liebl ausmachen, der mir als einziger Kurzstreckler an den Fersen klebt. Die nächste Gruppe ist aber auch nicht weit weg, wo die Kurzstreckler Lassek und Leistner um Anschuss kämpfen.

Im Trail verliere ich auf Jan und Felix einige Meter, da ich schon so viel Dreck in den Augen habe, das ich kaum noch die Spur sehen kann und mich beinahe versteuere. Ich setze, so gut es eben geht, hinterher, und hadere etwas mit der Entscheidung ohne Brille unterwegs zu sein. Stefan, der mir am Hinterrad klebt, hat aber auch so seine Sichtprobleme, denn die Brille ist halt irgendwann auch mal dicht.

Da brat mir einer nen Storch, aber FKJ ist mit „Glatze“ ganz solide unterwegs! Mit Ihm und Stefan rolle ich zügig die lange, folgende Abfahrt hinunter. Wir überquerer gemeinsam die Halde und auch an der Trailauffahrt zur Schanze sind wir noch immer beisammen. FKJ fährt 3 Runden und bedarf natürlich keiner Aufmerksamkeit, also lasse ich Ihn als ersten in die Auffahrt gehen. Stefan folgt FKJ, der Straßenfahrer heftet sich ans Hinterrad. Stefan muss FKJ im Trail etwas ziehen lassen, der scheinbar wirklich keine Traktionsprobleme hat, ich klemme direkt an Stefans Hinterrad, der oben an der Schanze etwas müde wirkt, was ich nutze um die Schlagzahl wieder etwas zu erhöhen. Stefan kann aber folgen, und so sind wir am finalen Wiesenanstieg noch immer beisammen. 


Ich rolle zuerst aufs Gras und steigere das Tempo kontrolliert bis an die eigene Kotzgrenze. Das scheint zu reichen, denn Stefan lässt nach einigen Metern reißen. Ca. fünfzig Meter kann ich mich absetzen, dann erreichen wir die Rollerbahn, wo ich hinterm Festzelt auf die Zielgerade einbiege, und, wie schon 2015, die Gesamtwertung der Kurzstrecke gewinnen darf.

Kurz dahinter natürlich Stefan auf dem 2. Platz, der ein wirklich starkes Rennen fuhr! Dahinter Rico Lassek, mit der ersten Verfolgergruppe, auf Platz 3.

Ein gratis Konterbier gab`s nach dem Rennen auch noch abzustauben (natürlich Bleifrei!), und etwas Sonne haben wir zur Siegerehrung dann auch noch gesehen. Ich hab schon schlimmere Sonntage erlebt!

Bleibt gesund und bis die Tage.

Euer Straßenfahrer


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AK Podest Sen2.

Dienstag, 7. Juni 2016

Miriquidi-Bike-Challenge



05.06.2016

Der Wecker klingelt um sechs, aber da ist der alte Mann schon wach und sinniert mal wieder an der Frage: „Was stellt man an solchen Sonntagen spannendes an, wenn man sich irgendwann einmal nicht mehr mit den Jungs auf der Rennstrecke trifft, um sich bei einem gepflegten Radrennen gegenseitig in die Gusche zu kloppen.“ Die Summe meiner geistreichen Ergüsse finde ich dabei so aufregend, dass ich beinahe wieder einpenne, während Fräulein Hanni und Friedo Mütze geschäftig auf dem Bett herumspringen und mir Ihre Ansichten eines lustigen Sonntagmorgens offerieren. Recht haben sie! Bissl Action muss schon sein! ...und… „ja doch.…es gibt gleich was zum Futtern Mädelz.“

Eine heiße Dusche bringt den Straßenfahrer halber Wege auf Betriebstemperatur, aber nach etwas mehr wie sieben Monaten im Sattel, und den bereits absolvierten „Frühjahrsklassikern“, fühle ich mich zwar in Form, jedoch auch etwas ausgelutscht. Laut Rennkalender wollte ich die Sommerpause etwas später einlegen, aber nach reichlicher Überlegung halte ich mich an mein Gefühl und den letztjährigen Saisonaufbau. Ich pausiere also wieder Anfang Juni, bevor mir die Kette vielleicht noch von alleine vom Blatt springt. Wer das schon mal erlebt hat, der weiß sicherlich wovon ich da rede. Nicht schön….Also Mut zur Pause!

Der somit vorläufig letzte Ausflug führt uns heute ins beschauliche Marienberg, im Erzgebirge. Genauer gesagt in den Ortsteil Gelobtland, am Rande des Miriquidi. Hier hatte eine Hand voll junger Radsportenthusiasten die zündende Idee einen neuen Mountainbike-Marathon auf die Beine zu stellen. Die Miriquidi-Bike-Challenge. Eine lustige 30 km Schleife durch den Marienberger Forst wurde da zusammengestellt, die unter normalen Bedingungen sicherlich recht zügig zu bewältigen ist. Unter normalen Bedingungen! Über die Wetterkapriolen der vergangen Tage brauche ich sicherlich nicht viele Worte zu verlieren, und so mussten die Organisatoren sogar einige Passagen der Strecke wieder herausnehmen, da man hier, nach all den heftigen Unwettern der vergangenen Tage, jetzt knietief im Schlamm versinkt. Die Streckenausschreibung verrät im Wesentlichen 3 längere Anstiege, von je ca. 150 Höhenmetern, verteilt auf die Mothäuser Heide und das Schwarzwassertal. Ein paar Drückerpassagen gibt es auch, und man ist schon geneigt einen Vergleich zum Kamm-Bike-Cross anzustellen, wenn man denn einen sucht. Ähnlich auch die drei Streckenlängen für die Kurz, Mittel und Langdistanz, zu, Ihr ahnt es, natürlich 30, 60 und 90km. Wer die Wahl hat, der hat die Qual!

Der voraussichtliche Zustand der Strecke, aber auch die Aussicht auf einen entspannten Sonntagmorgen, bestärken den Straßenfahrer in seiner Entscheidung für das Kurzstreckenrennen, das erst um 11 Uhr startet. Genügend Zeit also um morgens nicht in Hektik auszubrechen…und,… naja Ihr wisst schon….ein paar Café, ne Folge Columbo, der Verdauungsschlaf, die 3 Mietzen bespassen...usw. Im Alter wird man halt etwas eingefahren und bequem.

Das Gelobte Land erreichen wir kurz nach Start des 90km Rennens, und sehen noch die Langstreckler, die von der ersten Waldpassage kommend, erstmals über das Schotterbett des alten Bahndamms holpern. Die sehen nach 5 Kilometern aus, als hätten sie es bereits hinter sich! Junge, wo sind die denn hineingeraten, denke ich, und rufe Guido noch ein paar aufmunternde Worte hinterher, der heute die 90km fährt, aber scheinbar nichts hört, da die Lauschlappen wohl auch eine ordentliche Portion Modder abbekommen haben. Na das kann ja heiter werden.

Die Anmeldung im Festzelt ist gut organisiert und schnell erledigt. Auf der Kurzstrecke werden für die Nachmeldung in Summe zwar 30€ fällig, was einen Euro pro Kilometer abverlangt, aber bei dem Aufwand der hier schon im Vorfeld betrieben wurde, finde ich das durchaus noch akzeptabel. Auch die Werbetrommel wurde ordentlich gerührt, denn bei allen drei Rennen findet sich ein beachtliches Starterfeld zusammen. Immerhin, hier findet eine Erstaustragung statt! 


Wie viele Fahrer im Startblock der Kurzstrecke stehen kann ich nicht genau sagen, aber die Wiese am Rundendurchgang ist ordentlich zugeparkt. Die Stimmung ist gut, das Wetter super und die Temperaturen halten sich auch noch im moderaten Bereich auf. Noch bissl Smalltalk mit den Ex-Teamkollegen von Stein-Bikes, dann geht es Punkt 11Uhr in die Runde, wo zwei Fahrer vom SSV Mounty Altenberg ganz ordentlich am Hahn ziehen und das Feld entzerren. Dann geht es auch schon in die erste, kurze Schleife durch den flachen Stadtwald hinter Gelobtland. Was da auf uns wartet ist natürlich keine Überraschung! Trotzdem brauche ich erst mal einige Minuten um mich halbwegs zu sortieren, denn bereits nach wenigen Metern sieht unsere Gruppe aus wie eine Rotte Wildschweine nach einer zünftigen Schlammsuhle.

Hier übernehmen die beiden Stein-Biker Stefan und der Meiner die Führung, denn die Mountys haben Ihr Pulver fürs erste verschossen. Bis zum Bahndamm schaue ich mir das aus zweiter Reihe an, dann ist es Zeit für eine prüfende Attacke auf dem alten Gleisbett. Das Gas lasse ich bis zum ersten Singletrail stehen, den ich locker und in Führung liegend durchrolle. Unten schließen einige Fahrer wieder auf, dann geht es in den ersten, längeren Anstieg, auf dem der Boden von Meter zu Meter tiefer wird. Am steilsten Stück muss ich vom Bock, denn die Reifen finden keinen Grip mehr. Zwanzig Meter schliddere ich zu Fuß, dann ist’s wieder halbwegs fahrbar. 

Der einzige der das Tempo hier mitgehen kann, oder will, ist Stefan, aber den muss ich aus taktischen Gründen an der folgenden, gesandeten Auffahrt abkoppeln, was mir auch gelingt, denn oben angekommen habe ich schon ca. eine knappe Minute auf Ihn und die weiteren Verfolger herausgefahren.

In die erste Trailabfahrt, hinunter ins Schwarzwassertal, gehe ich also mit einigem Vorsprung und ohne Risiko, erklimme solo auch die zweite Steigung, und halte die Kette ordentlich auf Spannung. Beine und Puls sind heute in Geberlaune, und die Verfolger kann ich auf den wenigen geraden Passagen auch nicht mehr ausmachen. Somit ist natürlich auch der Straßenfahrer aus der Sichtweite seiner Verfolger, was bei einer Soloflucht natürlich immer von Vorteil ist.

Im Zeitfahrmodus geht es über den folgenden Bergrücken zur nächsten Abfahrt und wieder hinunter ins Schwarzwassertal. Eins zwei Wurzeln, ein paar Steine, reichlich Schlamm und einige lustige Serpentinen, dann bin ich wieder am Schwarzwasser, wo es erst mal flach am Fluss entlang, zur nächsten Steigung hinauf zum Katzenstein geht. Hier verpasse ich die STRAVA KOM Bestzeit um nur 11 Sekunden, denn der Straßenfahrer hat noch immer ganz ordentlich Zug auf der Kette.

Weiter geht’s über die längste, flache Drückerpassage der Strecke, über einen gesandeten Ziehweg, wo ich nochmal ordentlich Druck mache, um mir auch für den letzten Downhill ein kleines Zeitpolster herauszufahren. Den unteren Teil davon hatte ich schon beim Warmrollern besichtigt, und so bin ich auf eine lustige Rutschpartie vorbereitet, die ich aber mit solidem Vorsprung und ohne Risiko hinter mich bringe.

Kurz vorm Tal wischt sich der Straßenfahrer nochmal den Dreck aus der Gusche, denn da unten lauert noch eine Fotofalle auf die Magermoddelz dieser Veranstaltung. Irgendwie hat Heidi heute aber kein Foto für den Straßenfahrer, also quere ich zügig das Tal und steige in den letzten Anstieg des heutigen Tages ein, der nochmal knappe 100 Höhenmeter bereithält. Wie weit ich hier vorne liege ist unklar, denn meine Verfolger habe ich zuletzt vor einer Dreiviertelstunde gesehen. Der holprige Climb endet auf einer Wiese, die im großen Bogen zu umfahren ist, und hier kann ich dann auch wieder meinen nächsten Verfolger ausmachen, der geschätzte 1,5 Minuten hinter mir liegt.

Die beiden finalen Kilometer geht es nochmal flach und im Tiefflug durch den Wald, dann erreicht der Straßenfahrer auch schon das Start und Zielgelände des Gelobten Landes. Im Standgas rolle ich die Wiese hinunter, genieße die letzten Meter des Rennens und erreiche nach 1:13:01 Std. die Zieldurchfahrt, wo mir Mietze nen dicken Siegerkuss aufs dreckverschmierte Guschel drückt.

Das Gesamtpodest komplettieren Benjamin Mehner, vom SV Remse, auf dem 2. Platz, und Moritz Dehne, vom RSC 93 Marienberg, auf dem 3. Platz. Stefan von den Stein-Bikern hatte unterwegs leider Plattfuß, wird aber nach zügiger Reparatur noch 5ter.  

 
Bis zu den Ehrungen trinken wir einige Alkoholfreie Biere, die es heute gratis gibt, und schauen noch beim Einlauf der Langstreckler vorbei, wo Guido mit deutlichem Vorsprung gewinnt. Dann beginnen auch schon die Ehrungen der Kurzstrecke, wo der Straßenfahrer einen rustikalen Holzpokal erhält, den es heute ausschließlich für die Sieger der jeweiligen Rennen bzw. die Erstplatzierten der entsprechenden Altersklassen gibt. Darüber freuen sich sicherlich auch die Mietzen, denn der Kratzbaum funnzt bestimmt 1A für die Nagelpflege unserer beiden Stubentiger.

Na dann, ich verabscheue mich in die Sommerpause, werde bissl im Freibad abhängen und auch mal ein richtiges Bier trinken. Mal sehen wie gut sich der alte Mann für die Strapazen der zweiten Jahreshälfte erholen kann.

Ich wünsche Euch eine schöne Zeit, bleibt gesund und bis die Tage.

Euer Straßenfahrer.

Die Ergebnisse und alle Infos zum Rennen, guckst Du hier.




Dienstag, 31. Mai 2016

18. Erzgebirgsradrennen Markersbach



29.05.2016

Der Sonntag beginnt so, wie der Samstag endet. Mit allgemeiner Müdigkeit. Die Pendelei, die arbeitsreiche Woche in LE, die derzeitigen Wetterkapriolen, das greise Alter oder die längst überfällige Regenerationswoche. Keine Ahnung. In Summe finde ich mich nach dem Frühstück lustlos auf der Couch wieder, wo es mehrere Anläufe braucht um den Allerwertesten aus der Sauce zu hieven. Nach fünf doppelten Café kann ich endlich Ruhepuls messen und packe meine sieben Sachen für das heutige Gemetzel am Col de Fichtel.

Wirklich viel Zeit ist an diesem Morgen nicht, denn ab ca. 9 Uhr wird es erfahrungsgemäß eng, mit der Parkplatzsuche am Ferienhotel in Markersbach. Da heißt es: zeitiges Kommen sichert gute Parkplätze. Somit also kein wirklich entspannter Start in den Tag, keine Folge Columbo und auch kein Verdauungsschläfchen auf der Ottomane. Nicht mal für einen finalen Café reicht die Zeit, denn ich habe auch noch Toilettendienst auf dem Katzenklo. Wirklich beachtlich was unsere beiden Raubkatzen über Nacht da so hinterlassen haben. Da versagt selbst der angenehme Babypuderduft der Katzenstreu! Puhh. Der Straßenfahrer macht sich krumm, das Fräulein Hanni liegt indes gechillt auf dem Duschvorleger und bestaunt Ihr fleißiges Personal beim Latrinendienst, während Friedo Mütze in der Küche schon ungeduldig am Futternapf kratzt und dabei maunzt als wäre schlimme Not. Der Straßenfahrer eilt zu Hilfe. Für die beiden Gourmets gibt’s Fischfilet mit Schnickschnack in Sauce, und, weil Sonntag ist, ein Schälchen Katzenmilch als Dessert. Dann noch etwas kraulen…na klar!

„Einmal morgens von der Katze reingelassen, gefüttert und gestreichelt werden und sich ins Bett legen, während sie zur Arbeit geht.“ Was für ein Leben! 



Die notwendige Verbottelung auf dem Col de F ist leider noch in der Schwebe, aber das sollte sich schon irgendwie ergeben, denn Anne hat frei und ist auch mit von der Partie. Zum Abschied gähnt uns Mütze satt und schlaftrunken hinterher, der Straßenfahrer gähnt zurück. Auch die große Mietze gähnt. Alle sind müde heute, aber bevor jetzt noch jemand den Vorschlag bringt, sich nochmal in die Säche zu legen, sitzen wir auch schon im Schlafwagenabteil des Erzgebirgsexpress nach Markersbach. 






Das Erzgebirgsradrennen ist das erste Vereinsrennen des RSV-Erzgebirge, somit sind die Startunterlagen, nach Voranmeldung über den Verein, zügig ausgefasst und einen der begehrten Parkplätze ergattern wir dann auch noch. Genaugenommen zwei, denn ich parke etwas ungeschickt, und so findet auch Teamkollege Phil aka Marlene noch einen Stellpatz in unseren Reihen, dessen Auftritt sich heute etwas verzögert. Vermutlich Lampenfieber, da Marlene, nach überstandener Krankheit, immer noch etwas mit der Wettkampfform hadert. Trotzdem meldet auch er couragiert  für die große Fichtelbergrunde, wo ich Ihm prinzipiell schon ein gutes Top 20 Resultat zutraue. In guter Verfassung auch Top 15, aber die große Runde ist diesmal wirklich sehr stark besetzt, und auch Marlene hat heute keinen wirklich guten Tag erwischt und jammert beinahe so viel der Straßenfahrer himself. Unsere Getränkeversorgung ist jedenfalls schnell organisiert, denn Kerstin, die Herzdame meines Trainingskollegen Ron, verbottelt die Jungs von der Rad-Fabrik und bildet mit Anne eine Fahrgemeinschaft zum Fichtelberg, wo die Damen den Herren frische Getränke servieren werden. Sehr nett! Nach dem Warmrollern schauen wir noch beim Start der kürzeren Hundsmarderrunde vorbei, wo Teamkollege David gerade die Spitzengruppe in den Anstieg zum Oberbecken führt. Schon beim Zuschauen wird mir ganz schwindelig, da der Blutdruck wohl gerade wieder am absacken ist. Ich fülle also kurz vorm Start noch eine halbe Kanne Café nach, dann sind die Äugelein endlich offen genug um in die Startaufstellung zu finden.

Der Start erfolgt neutral und gesittet, in der ersten Kurve wird freigegeben, angezogen und bei einigen bereits überzogen. In zweiter Reihe genieße ich erst mal Windschatten, denn es geht recht flott die Straße zum Oberbecken hinauf. Kurz vorm ersten Abzweig springe ich etwas weiter nach vorne und sortiere mich hinter Sebastian „FK“ Stark ein, der hier das Tempo vorgibt. Es geht heute recht human hinauf bis zum Plateau, wo die Pace dann aber doch etwas anzieht, da jeder eine gute Position für die Abfahrt zum Ephraimhaus ergattern möchte.

Der Straßenfahrer sortiert sich an fünfter Stelle, direkt am Hinterrad von Bergkönig Guido ein, und trifft heute nahezu die Ideallinie, auf der nicht ganz ungefährlichen Abfahrt. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 74 km/h reicht das heute für einen 3. Platz des Downhill Segmentes bei STRAVA! Immerhin, damit liegt der Straßenfahrer in der ewigen Bestenliste nur schlappe 2 Sekunden hinter Markus Werner! Markus Werner!!! Wer kennt Ihn nicht, den sympathischen, mehrfachen Deutschen Masters Meister im XCO und Marathon, der mit viel Understatement den wohlverdienten Palmarès auf seinem Hundefänger spazieren fährt. Sollte ich mal so einen Bekanntheitsgrad erreichen, oder gar einen Deutschen Meistertitel im Lotto gewinnen, dann wäre ich nicht so bescheiden. Im Fall der Fälle, sprecht mich bitte nur noch mit Sie an!

Die schnelle aber kontrollierte Abfahrt überlebe ich in der Spitzengruppe, aus der sich FK, erwartungsgemäß, bereits nach wenigen Metern Gegenanstieg nach vorne absetzt. Bevor die Meute sich richtig sammeln kann, durchpflügt dann auch noch Straßenfahrer Robert Walther die Verfolgergruppe und schließt wenig später zu FK nach vorne auf. Ich zucke kurz mit dem rechten Bein, besinne mich dann aber der aktuellen Leistungswerte, die mir Garmin alle 3 Sekunden aktualisiert und schlage mir den Gedanken gleich wieder aus dem Kopf.

Ich beschließe nichts zu überstürzen, und mache es mir erst mal in der Verfolgergruppe bequem, wo man sich kennt. Dabei sind Patrick „Patte“ Oettel, Jan Brettschneider (ProCycle), Bergkönig Guido (Tbr), Alexander Loos (Merkus Druck) der die letzte Abfahrt auf einem Crosser überlebt hat, und auch der junge Christian Schröder (Tbr), der nach einigen Minuten zu unserer Gruppe aufschließt. Christians Training verfolge ich schon seit einiger Zeit, und bin nicht überrascht dass sich meine Vermutung am heutigen Renntag bestätigt, denn der sechzehnjährige Rookie macht einen sehr starken Eindruck.

Mit mehr oder weniger gut funktionierenden Führungswechseln, klettern wir Meter um Meter in Richtung Col de Fichtel. Auch Thorsten „Mütze“ Mützlitz ist jetzt irgendwie dabei, und irrt ohne Startnummer in, neben, vor und hinter der Gruppe herum, schießt Selfies und hält unsere Reisegruppe mit Smalltalk bei Laune, während er diese Phase des Rennens wohl als Trainingseinheit missbraucht. Wirklich eingreifen ins Renngeschehen tut er dabei natürlich nicht, also lassen wir Ihm seinen Spaß.

Das von der Gruppe angeschlagene Tempo kann ich gut mitgehen, genieße die Bordmusik und die angenehm warme Frühsommerluft, als mir im steilsten Stück des gesamten Anstieges beim Schaltvorgang die Kette von Blatt springt, was mich zwei Mal von Bike zwingt, denn ich lege die Kette beim ersten Versuch nur halbherzig auf, um keine Zeit zu verlieren. Shit happens! Die Gruppe attackiert hier freundlicher Weise nicht, aber Federn lasse ich trotzdem einige, beim Zudrücken der ca. zweihundert Meter, die sich der Straßenfahrer mit dieser Aktion eingehandelt hat. Eine Glückliche Situation hingegen für „Sportsmann“ Ronald Kunz, der so, in des Straßenfahrers Windschatten, den Anschluss zur ersten Verfolgergruppe schafft. Danke…Bitte…ein feiner Kerl unser Ronald!

Ich koppele also mit Ronald im Schlepptau wieder an, lasse einige Führungswechsel aus, und kann mich auf den folgenden Flachstücken ganz gut regenerieren. Den finalen Anstieg zum Fichtelberg fährt Rookie Christian beherzt von vorne, und bringt dabei schon einige in den tief roten Bereich. Ganz oben gibt’s von Anne die ersehnte Bottel mit kalter Cola, für die finalen zwanzig Kilometer zurück nach Markersbach. Unsere Omas warnten uns zwar immer vor dem hastigen Trinken kalter Cola, aber man(n) muss im Leben auch mal was riskieren, oder? Auch wenn das nur ein paar Schluck kalter Amibrause sind.

Oben gehe ich an Christian vorbei, drücke etwas aufs Pedal und fahre den Reitsteig Downhill von vorne. Der läuft ganz gut heute, aber bei einer Spitzengeschwindigkeit von 82 km/h wird es trotzdem so langsam Zeit für den nächsten Abzweig anzubremsen. Der nähert sich rasant, denn die Reifen wollen nicht wirklich in den losen Kies beißen und verzögern nur halbherzig. Knapp wird es, sehr knapp, aber der Straßenfahrer behält die Nerven und Scotti den Lack.

Auf den folgenden Drückerstücken passiert nicht wirklich viel, aber ich ahne schon, was der erste richtige Gegenanstieg bringen wird, wo Christian – der immer noch sehr frisch wirkt – erneut das Gas stehen lässt. Irgendwie kann ich mich an seiner Sattelstange festhalten und mitgehen, während in den hinteren Reihen ums Überleben gekämpft wird. Guido braucht auch ein paar Sekunden bevor sein Diesel das Gas annimmt, aber auch er kann noch zu uns aufschließen.

Christian zieht uns flott über die Kuppe, dann ist es aber auch schon vorbei mit dem Feuerwerk, denn hier verabschiedet sich nicht nur ein Großteil unserer Gruppe, sondern auch die Luft aus Christians Hinterreifen. Diagnose: Massiver Plattfuß! Er nimmt die Situation mit Fassung, Guido und der Straßenfahrer verabschieden sich höflich und mit viel Respekt vom Youngster.

Ein großes Einladungsschreiben braucht Guido an dieser Stelle natürlich nicht, und klemmt sich nach kurzem Wink sofort an des Straßenfahrers Hinterrad, bevor ich uns wieder auf Reisegeschwindigkeit bringe. Bei Guido braucht`s da nicht viele Worte, und so setzen wir uns mit gleichmäßigen Führungswechseln recht schnell von der Gruppe ab. Wir harmonieren wirklich gut, machen ordentlich Druck und sehen auf einer der längeren Geraden plötzlich Robert Walther, der scheinbar den Anker geworfen hat. Zum Ziel sind es hier noch wenige Kilometer, und sollten wir Robert wirklich noch stellen, dann wären wir wieder im Spiel um die beiden Plätze auf dem Gesamtpodest.

Wir lassen keinen Tritt aus und gehen beide gut durch die Führung. Aber nix, Robert kommt einfach nicht mehr in Sichtweite. Dann erreichen wir auch schon die kurze, holprige Abfahrt zum Unterbecken, wo ich eine kleine Chance wittere, mich noch von Guido abzusetzen, der heute mit Starrgabel unterwegs ist. Ich erhöhe etwas die Pace und lasse es ordentlich laufen, aber Guido hat keine Mühe die wenigen Wellen auszufedern und schließt wieder auf. Die letzten Meter rollen wir im Standgas, nehmen noch einen Schluck aus der Bottel, legen uns eine Strategie zurecht und biegen Seite an Seite in den finalen Anstieg ein, der die Entscheidung um Platz 3 und 4 bringen muss.

Ich vermute meine Stärke heute in einem langen, kontrollierten Angriff und eröffne das Finale bereits am Fuß des Anstiegs. Mein Antritt bringt mich einige Meter in Führung, die ich versuche konstant und kontrolliert zu halten. Auch Robert kommt plötzlich wieder in Sichtweite, der jetzt scheinbar doch noch den Anker geworfen hat. Ich erhöhe etwas die Schlagzahl, aber auch Guido zieht jetzt ordentlich am Horn, schließt auf, und schiebt sich auf den letzten Metern des Anstiegs am Straßenfahrer vorbei, der hier aber nicht mehr kontern kann. Im Sekundentakt rollern wir völlig blau über die Ziellinie und haben fertig. Fix und fertig! 


FK gewinnt natürlich souverän und wartet seit geschlagenen 4 Minuten auf die Überlebenden. Robert rettet mit Plattfuß und sehr knapp den 2. Platz ins Ziel, Guido komplettiert das Gesamtpodest auf Platz 3. Der Straßenfahrer erlebt ein Déjà-vu, und belegt zum dritten Mal in Folge einen etwas undankbaren 4.Platz. Darüber kann man sich ärgern oder freuen, aber wie auch immer: Sonne gab es heute satt, starke Fahrer, lange Anstiege, viel Laktat und jede Menge Spaß! Und mal ehrlich…nur das zählt!

Na dann, bleibt gesund und bis die Tage.

Euer Straßenfahrer

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