Dienstag, 13. September 2016

Greifenstein-Bike-Marathon



11.09.2016

Keine Ahnung was da gerade für ein Film abläuft, denn das Rennrad finde ich plötzlich über mir wieder, und die Straße nähert sich rasant von unten. Der Straßenfahrer liegt quer in der Luft und will sich - in Sachen Style - gerade zwischen Cliffhanger und Superman Seat Grab entscheiden, da gehen beim Aufprall auch schon die Lichter aus.

„Alles in Ordnung?“……“HALLO“….. „Alles in Ordnung bei Ihnen?“ Ja…nee…was…?!? Langsam komme ich zu mir und krieche mit schmerzverzerrtem Gesicht unter meinem Rad hervor, rolle mich auf den Rücken und prüfe erst mal die Gangbarkeit aller Gliedmaßen. Es scheint noch alles dran zu sein am Straßenfahrer, also gebe ich dem freundlichen Autofahrer kopfnickend Entwarnung, der wohl gerade noch ausweichen konnte, um den Dreimetermann nicht unter die Räder zu bekommen.

„Ist wirklich alles in Ordnung bei Ihnen?“ fragt der nette Herr erneut, und macht dabei ein wirklich besorgtes Gesicht, denn der Straßenfahrer blutet wie ein angestochenes Schwein. Beide Handflächen, Knie, Hüfte und den Ellenbogen hat es erwischt. Die Tapete hängt in Fetzen von den Wänden, aber das linke Handgelenk hat es wohl mit Abstand am ärgsten erwischt. Eine massive Prellung lässt das Daumengelenk in Zeitlupe auf eine stattliche Größe heranwachsen. Ich ahne nichts Gutes.

Kaum ist das DNF Resultat der Vier-Hübel-Tour physisch und psychisch verdaut, da muss der alte Mann schon wieder neue Wunden lecken. Und das nur zwei Tage nach dem diesjährigen Hübel-Desaster. Keine Ahnung was da gerade passiert ist, und ob mich der Vorderrad-Plattfuß nun vor oder nach diesem Kunststück ereilte. Im Endeffekt wird der Kopf schon wissen warum er die unschönen Szenen ausblendet. Des Straßenfahrers „Hauptspeicher“ bleibt jedenfalls vor größerem Schaden und unangenehmen Erinnerungen bewahrt, aber es braucht beinahe eine Woche bis die linke Hand wieder halbwegs brauchbar ist und an den Lenker passt. Immerhin, es hätte viel schlimmer kommen können, soviel steht fest. Aber was uns nicht umbringt, … naja, Ihr wisst schon…

Also keine guten Vorzeichen für den ersten Spätsommerklassiker in Geyer, auf den ich mich schon seit Tagen freue. Der Trainingsausfall ist zwar zu verkraften, aber wirklich Sorgen mache ich mir um das Daumengelenk, das auf Schläge vom Lenker den immer gleichen NDW-Refrain abspult: „Sternenhimmel, ich seh den Sternenhimmel, Sternenhimmel…oho.“

Selbst ist der Straßenfahrer, denn der besorgt sich Kinesio-Tape und eine medizinische Bastelanleitung aus dem Netz, für einen stabilisierenden Do-it-yourself-Stützverband des Daumens. Der zweite Versuch kann sich bereits sehen lassen, und auch die Vorbelastung läuft damit besser als gedacht. Nach 193 MacGyver Episoden ist man eben für beinahe alle Eventualitäten des Lebens gewappnet.

***

Am Sonntagmorgen erwartet uns in Geyer schönstes Spätsommerwetter. Geschlafen habe ich ganz gut, Anne ist zur Verbottelung auch dabei, und die Hand scheint mit der gestrigen Basteleinlage ganz gut klar zu kommen, denn die ist heute einigermaßen schmerzfrei. Noch bissl Warmrollern, dann geht’s mit meinen Teamkollegen, David und Phil, in die Startaufstellung des Mittelstreckenrennens über 60 km.

In der Einführungsrunde habe ich irgendwie Flashback zur letztjährigen Austragung, nur das diesmal Rico Leistner an Stelle von Patte Oettel am Hahn zieht und das Feld an der steilen Gasse entzerrt. Oben auf dem Feldweg übernimmt dann Torsten „Mütze“ Mützlitz das Zepter, und auch am Straßenanstieg hinterm Ana-Mare wird nochmal ordentlich draufgelatscht, wo das Feld dann gänzlich zerreißt.

In die folgende, ruppige Abfahrt gehe ich an ca. siebter Position und kann die Spitzengruppe hier auch ganz gut halten. Die bandagierte Linke scheint mitzuspielen, also schließe ich im folgenden Anstieg zügig zur Gruppe auf. Vorne dabei ist heute „Mütze“, Daniel Kletzin, Rico Leistner, Teamkollege David, Philipp Rothe, Udo Müller und natürlich kein geringerer als Sebastian „FK“– der Titanverschraubte Seriensieger – Stark, der soeben mit seinem Fully und vollkommen „schmerzfrei“ die Abfahrt vor mir hinuntergeballert ist. (ACHTUNG!!! An dieser Stelle eine Warnung an alle Kinder, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, mit eventuell ähnlichen, frisch operierten Wirbelsäulenverletzungen: Bitte nicht zu Hause nachmachen!!!  Der benannte Fahrer ist eine absolute Ausnahmeerscheinung, ein sogenannter Übermensch, um nicht zu sagen, ein TITAN!) Vermutlich würde „FK“ auch noch Rennen bestreiten wenn er den Kopf unterm Arm spazieren trägt. Hauptsache es findet sich nach Zieleinlauf eine schmackhafte Rostbratwurst.

Im folgenden Anstieg muss ich immerzu an meine lächerliche Verletzung denken und frage mich, was wohl passiert, wenn „der Titan“ heute ernst macht, das Podest ansteuert, oder gar gewinnt? Werden die Ihm Unterlegenen je wieder ein Rennen bestreiten können? Fragen über Fragen, bei denen ich beinahe den Anschluss an die Gruppe verliere.

Die Beine drehen jedenfalls ganz solide und Scotti bringt mich sicher die ruppigen Downhills hinunter. Nur an der Führungsarbeit habe ich noch kein sonderliches Interesse, da die Gruppe viel zu groß ist, das Tempo viel zu unruhig und die folgenden Anstiege die Gruppe sowieso dezimieren werden.

Runde eins beenden wir noch vollzählig, aber nach dem Anstieg hinterm Ana-Mare, bzw. der folgenden Abfahrt ist nur noch Daniel, David, Udo Müller und der Straßenfahrer an Bord. Keine Ahnung wo die anderen abgeblieben sind, jedenfalls sind wir nur noch zu viert. Ich genieße die Boardmusik, pariere einige Attacken von David und Daniel, und kann mich mit beiden, am vorletzten Anstieg der zweiten Runde, von Udo Müller absetzten, der hier scheinbar den Anker wirft. Zu dritt geht’s auf die letzten zehn Kilometer, wo ich mir dann aber schon die ausgefallenen Trainingseinheiten eingestehen muss, denn an Führungsarbeit ist hier nicht mehr zu denken. Der Straßenfahrer ist nur noch Passagier.

David wirkt noch immer frisch, und ich gehe davon aus dass er Daniel im Finale bezwingen kann. Also Hinterrad halten, dann hätten wir zumindest zwei Plätze auf dem Gesamtpodest sicher, was doch ein super Ergebnis für unser Team wäre. Den Gedanken bekomme ich nicht ganz zu Ende gesponnen, da prüft David auch schon sein Vorderrad, das bedenklich an Luft verloren hat. Im nächsten Trail ist´s dann vorbei mit der Herrlichkeit, denn hier muss David vom Hobel, wenn er sich nicht auf dem folgenden Wurzelteppich seine Felge ruinieren will. Shit happens, aber wenigstens hat er eine Kartusche und einen Schlauch dabei, also halte ich Daniels Hinterrad und wenigstens ein Eisen im Feuer.

Daniel hängt ordentlich am Gas und zieht uns über die letzten Waldwege in Richtung Ziel. Der Straßenfahrer kann hier und heute wirklich nur noch mitfahren, und so signalisiere ich Daniel nicht mehr zu attackieren, denn mit Platz 2 kann ich heute zufrieden sein. Auf einer der letzten, langen Geraden schaue ich nochmal zurück, kann aber weder David, noch einen anderen Verfolger ausmachen und wähne uns in Sicherheit.

Leider ist dem nicht so, denn Udo Müller nutzt Davids Aufholjagd und lässt sich wieder zu uns heranziehen. David hat leider doppelt Pech, denn die Luft seines Vorderreifens entweicht erneut, worauf er die letzten Meter laufend hinter sich bringt.

Im Finale hat U. Müller dann wohl die größten Reserven, denn der zieht gleich voll durch, wo weder Daniel noch der Straßenfahrer kontern können, und den DSC Fahrer gewähren lassen. Dahinter Daniel verdient auf Platz 2, der Straßenfahrer komplettiert das Podest auf Platz 3. David schafft mit seiner finalen Laufeinlage immerhin noch Platz 4 und beweist seinen enormen Kampfgeist. „FK“ bzw. „der Titan“ kurz dahinter auf dem 5. Platz.

Platz 5 Jungs! Dahinter…..naja….Ich vermute bis Eibenstock werden einige Fahrer unruhig schlafen. Der Straßenfahrer übrigens auch!

Bleibt gesund, und bis zum Samstag.

Euer Straßenfahrer

Alles zum Rennen, guckst Du hier: http://www.der-sportmacher.de/


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